Großbritannien: Regierung will Gefühle bei Wirbeltieren gesetzlich anerkennen

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Sie können Freude empfinden, Schmerz und Leid ertragen: Dass Tiere Gefühle haben, ist längst nicht mehr umstritten. Nun soll dieser Umstand in Großbritannien auch gesetzlich anerkannt werden. Das sagte der konservative Umweltminister George Eustice in einem Interview mit der Zeitung »Sunday Telegraph«.

Queen Elizabeth II. werde am Dienstag in ihrer traditionellen Regierungserklärung ein entsprechendes Gesetz ankündigen. Darin geht es allerdings nur um Wirbeltiere – »alle, die ein Rückenmark haben«, wie Eustice sagte.

In dem Gesetzentwurf werde ihnen »Empfindungsvermögen« zugesprochen, also betont, dass sie sich ihrer Gefühle und Emotionen bewusst seien. Ein bereits bestehendes Komitee im Ministerium für Umwelt, Ernährung und ländliche Angelegenheiten werde sicherstellen, dass sich das auch in der Politik der Regierung niederschlage, sagte Eustice.

Regierung Johnson plant eine Reihe von Tierschutzmaßnahmen

Der Vorstoß aus Großbritannien kommt vergleichsweise spät. Die EU hat bereits vor Jahren anerkannt, dass Tiere empfindungsfähige, fühlende Wesen sind. Im Vertrag von Lissabon, der 2009 in Kraft trat, heißt es etwa, die EU und ihre Mitgliedstaaten müssten Tierschutzanforderungen berücksichtigen, wenn sie Politik in den Bereichen Landwirtschaft, Fischerei, Verkehr, Binnenmarkt, Forschung und technologische Entwicklung sowie Raumfahrt formulieren oder umsetzen. Nach dem Brexit wurde das aber zunächst nicht in britisches Recht übertragen.

Wie weit diese Vorgabe in der EU erfüllt wird, darüber gehen die Meinungen freilich auseinander. Vor allem bei Nutztieren ist es mit der Rücksicht auf deren Empfindungen oft nicht weit her, Kritiker sprechen von staatlich erlaubter Tierquälerei.

In Großbritannien soll das neue Gesetz Teil einer umfassenden Strategie sein, mit der die Regierung Tierwohlstandards erhöhen will. Weitere Gesetzentwürfe sollen den Import von Jagdtrophäen verbieten, ebenso den Export lebender Tiere sowie die Haltung von Primaten als Haustiere, heißt es im »Sunday Telegraph«.

Außerdem plane die britische Regierung ein Verbot von Pelzimporten sowie von Mikrochips bei Hauskatzen. Auch die Tötung von Schweinen durch Vergasung mit Kohlendioxid solle beendet werden. Die Strafen für Tierquälerei sollen von sechs Monaten auf maximal fünf Jahre Haft steigen.

Minister Eustice nannte das Vorhaben ein »wichtiges Signal an die Welt«. Boris Johnson sei der erste Premierminister, der Tierwohl in der Regierungspolitik verankere.

Kritiker sind allerdings der Ansicht, dass Johnson sich vor allem wegen persönlicher Ansichten seiner Verlobten Carrie Symmonds für Tierrechte starkmache. Eustice sagte dazu, Symmonds sei genauso »leidenschaftlich« bei dem Thema wie Johnson oder er selbst.



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