Apple gegen Epic Games: »Fortnite«-Fans quatschen in Prozess-Übertragung

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»Epic Games! Epic Games!«, schreit jemand in sein Telefon, so dass es alle anderen Zuhörer mitbekommen. »Sie haben es vermasselt und ihre App auf iOS verloren«, kommentiert jemand anderes. Und eine dritte Person sagt, sie hoffe, Epic-Games-Chef Tim Sweeney wisse, was er tue: »Wenn er es einmal vermasselt, haben wir iOS nicht mehr. Dieser Anruf ist übrigens live.«

Neben den zu hörenden Stimmen spricht auch die typische Spielerschaft von »Fortnite« dafür, dass es wohl junge Menschen waren, die den Prozess als Audio-Liveübertragung verfolgen wollten – und dabei bemerkten, dass sie selbst gar nicht wie erwartet stumm geschaltet waren. So entstand ein denkwürdiges Telefonkonferenz-Soundchaos, von dem ein Schnipsel auf Twitter gepostet wurde. Auch auf YouTube lässt sich nachträglich reinhören.

»Ich denke, wir haben die Telefonleitungen unter Kontrolle«, sagte Richterin Yvette Gonzalez Rogers schließlich, als die Übertragung nach rund 20 Minuten wieder störungsfrei funktionierte. »Das wird in Zukunft kein Problem mehr sein.«

Darum legt sich Epic Games mit Apple an

In dem Prozess, bei dem vor Ort keine Unbeteiligten als Zuschauer zugelassen sind, geht es darum, dass Epic Games nicht länger 30 Prozent der Einnahmen aus dem Verkauf von »Fortnite«-Digitalinhalten über seine iOS-App an Apple abgeben will. Apple verteidigt das aktuelle System, in dem Anwendungen ausschließlich über den App Store geladen werden können. Das sei unter anderem notwendig, um die Nutzer vor Betrug und Software-Fehlern zu schützen, argumentiert das Unternehmen aus Cupertino.

Der Streit um »Fortnite« und Apples Standardgebühren war im August eskaliert. Epic Games hielt sich damals bei einem »Fortnite«-Update bewusst nicht mehr an die seit mehr als einem Jahrzehnt geltende Vorgabe, dass virtuelle Artikel auf dem iPhone nur über Apples Bezahlsystem angeboten werden können, samt einer Beteiligung von je nach App bis zu 30 Prozent. Apple schmiss das beliebte Online-Actionspiel daraufhin aus dem App Store. Wer die App jedoch bereits auf dem Telefon hatte, kann sie weiter nutzen – und Spielwährung direkt bei Epic Games kaufen, zu einem günstigeren Preis als zuvor.

Die Anwältin Katherine Forrest, die Epic Games vertritt, verglich Apple und seine Regel vor Gericht nun mit einem Autobauer, der beim Auftanken jedes Mal 30 Prozent vom Preis haben wolle. Apple entgegnete, die 30 Prozent seien branchenüblich und die eigenen Investitionen in den Aufbau der Plattform rechtfertigten die Abgabe. Außerdem könnten Spieler Zusatzinhalte oder die »Fortnite«-Spielwährung namens V-Bucks auch anderswo kaufen, nicht nur direkt in der iOS-App, so Apple: Die Inhalte seien dann auch auf dem iPhone nutzbar, ohne dass zuvor von dem Kaufpreis etwas an Apple abfiele.

Auf der Playstation bringt »Fortnite« mehr Geld ein

Der erste Prozesstag begann mit den Eröffnungsplädoyers, außerdem wurde Epic-Games-Chef Tim Sweeney befragt. Sweeney sagte unter anderem, Apples Regeln schadeten »jeder Facette« seines Geschäfts. Er unterstütze das Recht von Apple, ein System für In-App-Käufe anzubieten – aber es müsse auch Raum für Alternativen geben. Im Zuge des Prozesses hofft Epic Games unter anderem auf eine Chance, iOS-Nutzerinnen und -Nutzern einen eigenen App-Store anzubieten.

Im Kreuzverhör konfrontierten Apples Anwälte Sweeney damit, dass Epic Games kein Problem damit habe, zu identischen Konditionen auf Spielekonsolen wie Sonys Playstation oder Microsofts Xbox aktiv zu sein. Sweeney verwies daraufhin auf unterschiedliche Ausgangspositionen: Der Verkauf von Konsolen-Hardware gelte als ein Verlustgeschäft, das Geld müsse über Spiele verdient werden. Das iPhone hingegen sei hochprofitabel.

»Fortnite« komme aktuell insgesamt auf 400 Millionen Spieler, sagte Sweeney. Die Apple-Anwälte betonten zugleich, dass die Konsolen für Epic Games eine viel wichtigere Geldquelle als das iPhone seien. So habe »Fortnite« auf der Playstation bis Ende 2020 sechs Milliarden Dollar eingespielt und auf der Xbox 3,5 Milliarden Dollar. Auf dem iPhone seien es nur 750 Millionen Dollar gewesen.

Zum Epic Games Store, einem eigenen PC-Spiele-Marktplatz von Epic Games mit einer Zwölf-Prozent-Gebühr, sagte Sweeney, das Angebot sei Hunderte Millionen Dollar davon entfernt, profitabel zu sein. Er rechne erst in drei oder vier Jahren mit schwarzen Zahlen.

Hat Apple ein Monopol oder nicht?

Epic Games wirft Apple in seiner Klage unfairen Wettbewerb vor – mit der Begründung, dass Apple beim App-Vertrieb auf dem iPhone ein Monopol habe und dieses ausnutze. Apple entgegnet, dass man das iPhone nicht als eigenständigen Markt abgrenzen könne, sondern das Spielegeschäft auf verschiedenen Plattformen betrachten müsse. Wessen Argumentation Richterin Yvonne Gonzalez Rogers in dieser Frage folgt, könnte ein entscheidender Faktor für den Ausgang des Verfahrens werden.

Eine weitere Schlüsselfrage ist, ob der App Store als Teil der iPhone-Nutzung zu betrachten ist, wie Apple argumentiert. Das Unternehmen verweist unter anderem darauf, dass man in einem zentralisierten App Store die Möglichkeit habe, alle Anwendungen zu prüfen. Epic Games argumentiert, die App-Plattform müsse als ein separates Produkt gesehen werden. Schließlich lasse Apple auf seinen Mac-Computern seit jeher auch das Laden von Software aus anderen Quellen als dem hauseigenen App Store zu. Apple verweist darauf, dass die Sicherheitsanforderungen beim Smartphone höher seien.

Anwältin Forrest warf Apple am Montag vor, das Unternehmen habe ein geschlossenes System rund um das iPhone aufgebaut. Als Beispiel für die Absperrungen verwies Forrest auf den Dienst iMessage. Damit könnten sich Apple-Nutzer untereinander verständigen, aber der Kontakt zu Besitzern eines Android-Smartphones sei eingeschränkt. Apple-Anwältin Karen Dunn konterte, Epic Games verlange, dass der iPhone-Konzern unsichere und ungeprüfte Apps auf die Plattform lasse.

Das US-Verfahren weist Parallelen zu den Ermittlungen der EU-Kommission auf, die Apple vergangene Woche unfairen Wettbewerb im App Store vorgeworfen hatte. Apple benachteilige andere Anbieter von Musikstreaming-Apps, erklärte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Die Brüsseler Behörde sieht unter anderem ein Problem in der Regel, dass Abo-Verkäufe in iOS-Apps über Apples Bezahlplattform abgewickelt werden müssen. Dabei behält der Konzern 30 oder 15 Prozent der Einnahmen ein. Die Folge: Schließt jemand auf iOS ein Spotify-Abo ab, das ihn genauso viel kostet wie ein Abo des Apple-Musikdienstes Apple Music, bleibt bei Apple unterm Strich mehr Geld hängen.

Auch im Brüsseler Fall argumentierte Apple, dass Nutzerinnen und Nutzer die Abos ohne die Abgabe auf Spotifys Website erwerben und auf dem iPhone nutzen könnten. Die Kommission betrachtet das iPhone aber als eigenständigen Markt für den App-Vertrieb, ähnlich wie Epic Games.

Der Prozess in Oakland läuft voraussichtlich noch bis Ende des Monats. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die unterlegene Seite in Berufung gehen wird.





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