Hansi Flick und das Aus beim FC Bayern München: Sechs Titel, kein Dank – ein Kommentar

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Oliver Bierhoff hat bei der Suche nach einem Nachfolger für Joachim Löw frühzeitig gesagt, er werde nur Kandidaten ansprechen, die keinen laufenden Arbeitsvertrag bei einem Klub haben. An dieses Versprechen kann sich der Direktor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) jetzt sehr einfach halten. Hansi Flick hat um die Auflösung seines Vertrags beim FC Bayern München gebeten. Wenn alles normal läuft, wird er in einigen Wochen nicht mehr Coach des Rekordmeisters sein. Bierhoff kann sein Trainercasting vorzeitig beenden. Die Lösung liegt auf der Hand: Hansi Flick.

Am Samstag nach der Partie gegen den VfL Wolfsburg hat der 56-jährige die Mannschaft des FC Bayern darüber informiert, dass er nicht mehr Trainer beim größten deutschen Fußballklub sein möchte. Man hört, einigen Spielern soll nach der Ansprache das Wasser in den Augen gestanden haben.

Die Beweggründe Flicks sind klar. Der Kompetenzstreit mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic in Sachen Transferpolitik hat Flick gezeigt, dass die Verantwortlichen des Klubs nicht so eindeutig hinter ihm stehen, wie er sich das gewünscht hätte. Nach dem Champions-League-Triumph in Lissabon voriges Jahr hatte Vorstandchef Karl Heinz Rummenigge noch beteuert, man wolle mit Flick eine Ära begründen. Nun zieht sich der Coach, der sechs Titel in einer Saison gewonnen hat, zermürbt zurück.

Es wäre ein leichtes gewesen, den Zank zwischen Flick und Salihamidžić zu beenden. Ein Machtwort von Uli Hoeneß hätte genügt, wie so oft in den vergangenen Jahrzehnten. Aber die Bayern-Bosse ließen den Konflikt zwischen den beiden Männern schwelen, weil sie nicht mehr hundertprozentig von Flick überzeugt waren. Weil ein Trainer in München grundsätzlich nicht zu viel Macht erhalten soll.

Sie hatten wohl auch gesehen, dass Flick sich in den letzten Monaten aufgearbeitet hatte. Auch wenn sie vom Zeitpunkt überrascht sein sollen – man kann davon ausgehen, dass es den Verantwortlichen ganz recht ist, dass Flick nun selbst die Reißleine gezogen hat. Das Problem ist gelöst, nun kann nach vorne geblickt werden.

Der Fall Flick zeigt, dass ein Trainer beim FC Bayern keine allzu große Dankbarkeit erwarten sollte. Es gibt kein Innehalten, kein Durchatmen bei der FC Bayern München Aktiengesellschaft. Weiter, weiter. Die nächsten Erfolge müssen geliefert werden, damit die Umsätze sprudeln.

Der nächste, der beim Rekordmeister den Druck zu spüren bekommen wird, ist: Sportdirektor Salihamidžić. Der muss jetzt den neuen Trainer besorgen. Julian Nagelsmann von Meisterschaftskonkurrent RB Leipzig gilt als Wunschkandidat. Plan B könnte Xabi Alonso sein, der ehemalige Bayern Spieler, der kürzlich ein Angebot von Borussia Mönchengladbach abgelehnt und seinen Vertrag in San Sebastian verlängert hat.

Hansi Flick ist aus dem Hamsterrad ausgestiegen. Er hat in München einen tollen Job gemacht. Sollte Flick wirklich Coach der Nationalmannschaft werden, wird er die Aufgabe nach den zehrenden Monaten in München zu genießen wissen. Man hat viel Zeit als Bundestrainer zwischen den Länderspielen. Joachim Löw wusste schon, warum er nie etwas anderes wollte.



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