Psychische Folgen von Corona: Die Angst nach der Infektion

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Angst spielt in Coronazeiten eine große Rolle. Angst vor dem Virus, vor der Krankheit, vor der Isolation. Doch ebenso kann offenbar auch eine durchgemachte Infektion mit Sars-CoV-2 Ängste nach sich ziehen. Einer im Fachjournal »The Lancet Psychiatry« veröffentlichten Studie zufolge haben Coronapatienten häufiger neurologische oder psychische Probleme als Menschen mit anderen Atemwegserkrankungen. Das Risiko für Angsterkrankungen oder Stimmungsschwankungen ist demnach um 44 Prozent höher als nach einer Grippe.

Für ihre Untersuchung hatten Forscher um den Psychiater Paul Harrison von der Universität Oxford die digitalen Daten von mehr als 236.000 US-Patientinnen und Patienten ausgewertet, darunter mehr als 62.000 an Covid-19 Erkrankte. Dabei untersuchten sie, wie häufig die Betroffenen in den 14 bis 90 Tagen nach der Diagnose unter psychischen oder neurologischen Problemen litten.

Zum Vergleich überprüften sie, wie häufig Menschen nach einer Infektion mit Influenzaviren oder mit einer anderen Atemwegserkrankung psychische oder neurologische Probleme entwickelten. »Unsere Ergebnisse zeigen, dass Hirnerkrankungen und psychiatrische Störungen nach Covid-19 häufiger auftreten als nach der Grippe«, teilte Mitautor Max Taquet von der Universität Oxford mit. Auch im Vergleich zu anderen Atemwegserkrankungen lag die Gefahr nach einer Covid-Infektion um 16 Prozent höher.

Fünf Prozent hatten Schlafstörungen

Die häufigsten Symptome, die nach einer Covid-Erkrankung auftraten, waren Angstgefühle, sie traten bei 17 Prozent der Betroffenen auf. Stimmungsstörungen betrafen 14 Prozent und Schlafprobleme fünf Prozent. Neurologische Erkrankungen entwickelten sich insgesamt deutlich seltener: Es kam bei zwei Prozent der Betroffenen zu einem Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel und bei 0,6 Prozent zu einem Schlaganfall durch eine Hirnblutung.

Mit zunehmender Schwere der Erkrankung stieg den Ergebnissen zufolge auch das Risiko für psychiatrische oder neurologische Folgen. Während bei 34 Prozent aller untersuchten Covid-Patienten in der Folge mindestens eine mentale oder neurologische Störung beobachtet wurde, traten solche Beschwerden bei 46 Prozent aller Intensivpatienten auf.

Bei der Untersuchung handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, die keine ursächlichen Zusammenhänge belegen kann. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weisen daher darauf hin, dass weitere Forschung notwendig sei, um mögliche Ursachen zu identifizieren und Folgeschäden zu verhindern oder zu behandeln.

Dame Til Wykes, Professorin für Psychiatrie, Psychologie und Neurowissenschaften am King’s College in London, sagte der britischen BBC: »Die Studie bestätigt unsere Befürchtungen, dass eine Covid-19-Diagnose nicht nur mit Atemwegsbeschwerden einhergeht, sondern auch mit psychiatrischen und neurologischen Problemen.«

Inwiefern das Virus direkt das Gehirn angreift, ist Gegenstand zahlreicher Untersuchungen weitweit. Ärzte forschen sowohl auf molekularer Ebene als auch weiterhin nach Ursachen im Immunsystem. Bekannt sind auch Auswirkungen auf das Blut- und Gerinnungssystem. Hinzu kommen Folgen wie posttraumatische Belastungsstörungen, die Ärzten zufolge ebenfalls zunehmen.

Bereits in der Vergangenheit hatte es Studien gegeben, die einen Zusammenhang zwischen neurologischen Erkrankungen und einer Infektion gesehen haben. Aber auch durch Folgen der Isolation infolge von Lockdowns und Quarantänen sind die Krankschreibungen wegen psychischer Leiden gestiegen. In Bayern hatte die Auswertung von Versichertendaten ergeben, dass 2020 deutlich häufiger Menschen mit Depressionen und Ängsten bei der Arbeit ausgefallen waren als zuvor.



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