Fokus auf Erstimpfungen: Bayerns Gesundheitsminister Holetschek erwägt Änderung der Impfstrategie

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Mit den Impfungen in den Hausarztpraxen soll die Impfkampagne in Deutschland an Fahrt aufnehmen – doch die großen Lieferungen der Vakzinen lassen noch auf sich warten. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hat sich deshalb nun für einen stärkeren Fokus auf Erstimpfungen ausgesprochen, um das Impftempo in Deutschland zu erhöhen.

Sobald wissenschaftlich geklärt sei, dass man den Abstand zwischen der Erst- und Zweitimpfung weiter herauszögern könne, sollten die Länder das auch umsetzen, sagte er dem SPIEGEL. Dazu brauche es allerdings eine entsprechende Empfehlung der Stiko.

»Wir befinden uns in der dritten Welle der Pandemie, und Studien haben gezeigt, dass nach der Erstimpfung bereits ein hoher Schutz gegeben ist«, sagte Holetschek, der auch Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz ist: »Wir haben die Rückstellungen der Impfstoffe in Bayern deshalb jetzt so gut wie aufgelöst.«

Bei der Vakzine von AstraZeneca sei der Zeitraum zwischen Erst- und Zweitimpfung bereits von sechs auf zwölf Wochen und die Abstände bei dem Impfstoff von Biontech/Pfizer von drei auf sechs Wochen hochgesetzt worden. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt seit Anfang April Impfabstände von sechs Wochen für die mRNA-Impfstoffe.

Bis Juli könnten 60 Millionen Menschen erstgeimpft sein

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert bereits seit Längerem eine Änderung der Impfstrategie. Wenn der Abstand zur Zweitimpfung bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna von sechs auf zwölf Wochen verlängert würde, könnten bis Juli über 60 Millionen Menschen in Deutschland erstgeimpft sein, sagte er zuletzt der »Augsburger Allgemeinen«.

Sie wären damit gegen schwere Krankheitsverläufe geschützt. »Wenn wir jetzt unsere Strategie wechseln und auf möglichst viele Erstimpfungen ausrichten, wird kein vierter Lockdown mehr nötig sein.«

Lauterbach hatte auf Erfahrungen aus Großbritannien sowie Modellrechnungen unter seiner Beteiligung verwiesen, wonach so »weit über 10.000« Todesfälle verhindert werden könnten. »Studienergebnisse aus Australien weisen darauf hin, dass der Schutz der mRNA-Impfstoffe auch zwischen der sechsten und der zwölften Woche nach der Impfung so stark ausgeprägt ist, dass bei einer Coronainfektion das Risiko schwerer Verläufe mit Klinikaufenthalten oder tödlichem Ausgang extrem gering ist.«

Nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Wochenende Privilegien für Geimpfte in Aussicht gestellt habe, gebe es nun gleichzeitig die nächste Diskussion um die Impfstrategie, mahnte Landesgesundheitsminister Holetschek: »Jetzt fordern die Ersten eine schnellere Zweitimpfung, damit sie die Impfprivilegien in Anspruch nehmen können. Ich halte diese Diskussion für zu früh«.



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