Joshua Kimmich beim Deutschland-Sieg gegen Island: Der Kontaktmann

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Rückkehrer des Spiels: 2020 ging für die deutschen Fußballer mit einem Debakel in Spanien zu Ende, 0:6 in der Nations League. Man sah damals einen ratlosen Bundestrainer Joachim Löw, der später seinen Rückzug vom DFB nach der Europameisterschaft ankündigen sollte. Aber wen man damals nicht gesehen hatte, war Joshua Kimmich; wegen der Folgen eines Meniskusschadens fehlte der 26-Jährige. Inzwischen ist er zurück – und gegen Island war der Münchner der Kopf des Teams. In der ersten Hälfte spielte er allein mehr Pässe (91) als elf Isländer zusammen (90), und es waren wichtige Pässe dabei. Kimmich war an den beiden Treffern nach nur sieben Minuten beteiligt. »Macht richtig Spaß, zuzuschauen«, sagte der neue RTL-Experte Uli Hoeneß. Da will man dem früheren Bayern-Boss nicht widersprechen.

Ergebnis des Spiels: Deutschland ist ins Jahr der Europameisterschaft mit einem Sieg gestartet. 3:0 (2:0) lautete der Endstand im WM-Qualifikationsspiel gegen Island, der ersten Partie seit Löws Rücktrittsankündigung nach 15 Jahren als Bundestrainer. Lesen Sie hier den Spielbericht.

Auf nach Katar: Das Island-Spiel war der Auftakt der Qualifikation für Katar 2022. In einer SPIEGEL-Umfrage hat sich eine große Mehrheit für einen Boykott der WM ausgesprochen: Lesen Sie hier mehr zum Sündenfall des Weltfußballs. Die WM boykottieren, das werden die Nationalverbände allein aus finanziellen Gründen kaum tun. Und die sportliche Qualifikation sollte aus deutscher Sicht eigentlich nicht scheitern: Die weiteren Gegner sind Rumänien am Sonntag und Nordmazedonien am Mittwoch (beide 20.45). Nach der EM folgen Liechtenstein und Armenien, anschließend die Rückspiele.

Botschaft aus Norwegen: Hier und da erkennt man aber so etwas wie Unzufriedenheit mit dem Katar-Turnier. Die norwegische Nationalelf hatte vor ihrem ersten Quali-Spiel die Menschenrechtslage beim nächsten WM-Gastgeber mit einer T-Shirt-Aktion angeprangert und damit auf die Boykott-Forderungen aus der norwegischen Liga direkt reagiert.

DFB-Team zieht nach: Die deutschen Fußballer ließen eine ähnliche Aktion folgen. Allerdings erst anonymer, ohne klare Pfeilspitze Richtung Katar. Leon Goretzka deutete später aber an, dass man mit der Menschenrechtslage vor der WM nicht einverstanden sei. »Wir möchten der Gesellschaft klar sagen, dass wir das nicht ignorieren.« Katar nannte er dabei nicht explizit.

Nur das Virus liebt die Länderspielpause: Länderspiele, das ist die Zeit, in der die Profis ihre Vereinsblase verlassen, sie reisen quer über die Kontinente, treffen auf neue Kontaktpersonen. Sie machen viel, wovon Regierung und Experten abraten. Idealbedingungen für das Coronavirus, leider nur nicht für die Pandemiebekämpfung. Siehe nächster Punkt.

Der Spieleabend: Regelmäßige Testreihen wurden beim DFB-Team durchgeführt, vom Hotel in Düsseldorf zum Spielort in Duisburg gleich drei Mannschaftsbusse eingesetzt. Am Vormittag wurde dann eine Coronainfektion bei Gladbachs Jonas Hofmann bekannt, Leipzigs Marcel Halstenberg, mit dem Hofmann am Abend zuvor noch Backgammon gespielt hatte, wurde vorsorglich isoliert. Bilder in den sozialen Netzwerken hatten ihren Spieleabend – der angeblich nur 15 Minuten gedauert haben soll – gezeigt. Weitere Kontaktpersonen identifizierte das Gesundheitsamt nicht. Dass die Infektionskette damit gestoppt worden ist, muss das nicht bedeuten.

Münchner Kontakte: Zu Beginn des Spiels blieben die Profis des FC Bayern unter sich. Kimmich spielte einen Chipball in den Lauf von Serge Gnabry, der in den Rückraum des Strafraums passte – und dort stand der dritte Bayern-Star dieser Kombination, Leon Goretzka, genau richtig. Er traf ins rechte Eck (3. Minute). Island durfte kurz durchatmen, dann machte der nächste Münchner auf sich aufmerksam: Leroy Sané marschierte nach einem Kimmich-Pass in die Tiefe davon und bereitete den zweiten Treffer durch Chelsea-Profi Kai Havertz vor (7.). Der fünfte Münchner, Manuel Neuer, musste im Tor kaum aktiv werden. Später kam noch der sechste Bayern-Mann ins Spiel: Jamal Musial, der jüngste DFB-Kicker seit Uwe Seeler.

Tormaschine Gündoğan: Im vergangenen Herbst erkrankte İlkay Gündoğan an Covid-19. Den Verlauf der Krankheit beschrieb er als »schlimme zwei Wochen«. Umso erstaunlicher ist, in welch beeindruckender Form sich der Profi von Manchester City befindet: 16 Treffer in 34 Saisonspielen im Verein, gegen Island erzielte er das 3:0 mit einem platzierten Distanzschuss (56.). Für den 30-Jährigen war es gerade einmal sein 43. Länderspiel, er hat erst eine einzige WM-Partie gespielt (2018 beim einzigen Sieg gegen Schweden) und noch kein EM-Spiel bestritten. Löw, so viel steht fest, darf auf seiner Abschiedstournee mit einem der derzeit besten Mittelfeldspielern der Welt planen.

Das Schlusswort: »Jogi, das war ein guter Start«, rief Uli Hoeneß dem Bundestrainer nach dem ersten Spiel im Jahr 2021 zu. Und auch hier wollte man nicht widersprechen.



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