Manchester City siegt in der Champions League bei Gladbach: Eine Traumflanke gegen die Angst

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Diese wunderbare, wunderbare Hereingabe: Der Held des Spiels war ausnahmsweise nicht ein Torschütze, sondern der Flankengeber. Gladbachs Christoph Kramer hatte einen Fehlpass im Aufbau gespielt und João Cancelo genügend Zeit, um eine Halbfeldflanke wie von Künstlerhand beziehungsweise -fuß gestaltet abzugeben. Am zweiten Pfosten musste der nur 1,73 Meter große Bernardo Silva nicht mehr viel richtig machen, es genügte, dass er diese Flanke nicht mehr verhunzte. Sein Kopfball schlug im langen Eck ein, die Ehre gebührte Assistgeber Cancelo.

Die erste Hälfte: Eine knappe halbe Stunde wehrten sich die Gladbacher nach Kräften, die offensiv wirbelnden und vielbeinig attackierenden Gäste im Zaum zu halten. Dann traf Silva (29. Minute). Gladbach agierte bemüht, aber spielte jede Angriffsoption so aus, als sei es die einzige des Spiels – viel zu panisch.

Eine Spur von Angst: Nur ein Tor hatte City in dieser Champions-League-Saison bislang kassiert, dennoch hatte Trainer Pep Guardiola davor gewarnt, dass die Borussen »die Stürmer mit gutem Umschaltspiel schnell erreichen«. In der 19. Minute war es fast so weit. Ein Pass fand Stefan Lainer auf dem rechten Flügel hinter der Abwehr und sein Pass auf Alassane Pléa wurde von City erst in höchster Not unschädlich gemacht. Da kroch sie für zehn Minuten spürbar ins Spiel des Favoriten, die Angst, nach 2019 von Tottenham Hotspur und 2020 von Olympique Lyon wieder von einem Außenseiter ausgetrickst zu werden.

Die zweite Hälfte: Erst vergab Gabriel Jesus eine Riesenchance (53.), dann traf er zum 2:0 (63.). Gladbach hatte in der letzten Sekunden der dreiminütigen Nachspielzeit seine größte Gelegenheit, als Hannes Wolf an Gästekeeper Ederson scheiterte (90.+3). Citys deutscher Nationalspieler Ilkay Gündogan zeigte eine gute Leistung und trug nach der Auswechslung von Raheem Sterling ab der 69. Minute sogar die Kapitänsbinde.

Debüt ohne Freuden: Eigentlich müssten es Festtage für die Gladbacher sein. Erstmals steht der Klub im Achtelfinale der Champions League, es ist das erste K.-o.-Duell für den VfL in der Königsklasse seit knapp 43 Jahren. Dann kommt auch noch der Tabellenführer der Premier League – doch weil Trainer Marco Rose nach Dortmund entschwindet, die Mannschaft in der Liga taumelt und man statt vor den eigenen Fans in einer zuschauerfreien Budapester Arena kicken muss, greift Trostlosigkeit um sich.

Sieben entscheidende Tage: Am kommenden Samstag reisen die Gladbacher als Tabellenachter zum Bundesligazweiten nach Leipzig, drei Tage später empfängt man Roses künftigen Arbeitgeber zum Viertelfinalspiel im DFB-Pokal. Die Treueschwüre des Sportdirektors Max Eberl für den aktuellen Übungsleiter bedürfen dringend der Unterfütterung durch positive Ergebnisse, sonst dürfte die Stimmung in Mönchengladbach endgültig im Eimer sein.

City marschiert: Siege, Siege, Siege. 19 aus den vergangenen 19 Partien hat Guardiolas Team geholt, insgesamt ist man seit 26 Begegnungen ungeschlagen. Man steht im Finale des Carabao Cups, hat das Viertelfinale im FA Cup erreicht, führt die Liga mit zehn Punkten Vorsprung an. Dass es beim Achtelfinal-Rückspiel gegen die Gladbacher in drei Wochen zu unliebsamen Überraschungen kommt, ist nicht zu erwarten. Der Champions-League-Titel scheint für das formstärkste Team im Wettbewerb mal wieder möglich, geholt haben sie die Trophäe noch nie. Bislang bleibt der Europapokal der Pokalsieger im Jahr 1970 der einzige europäische Erfolg für die Citizens.

Die pralle Bank: Für eine goldene Saison spricht nicht nur die (Kader-)Schwäche der Konkurrenten, sondern auch der Deluxe-Kader von Manchester City. Gegenüber dem 1:0 beim FC Arsenal am vergangenen Wochenende tauschte Guardiola seine Startelf auf fünf Positionen. So rückten unter anderem John Stones, Kevin de Bruyne und Riyad Mahrez auf die Bank – man kann es sich leisten. Für das kommende Wochenende kündigte Citys Trainer erneut ein halbes Dutzend Wechsel an. Kollege Hansi Flick dürfte beim Blick auf die Auswahl seines Gegenspielers leicht schwindlig werden. Der Vorteil für Liverpool, München oder Real Madrid: Sie alle haben schon, sie müssen nicht, bei City bleibt die womöglich irgendwann lähmende Gewissheit im Hinterkopf, es eigentlich dieses Jahr zu müssen.

Icon: Der Spiegel



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