Kleiderordnung im Beachvolleyball: Katar widerspricht dem Weltverband – rudert er zurück?

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Der katarische Volleyballverband QVA hat die neuen Kleidervorschriften für Frauen bei einem Beachvolleyball-World-Tour-Event in Doha Anfang März dementiert. »Wir möchten klarstellen, dass wir keine Forderungen stellen, was die Athleten bei der Veranstaltung tragen sollen«, erklärte der veranstaltende Verband auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP.

Der Verband widerspricht damit allerdings der Darstellung des Weltverbands FIVB und der Spielerorganisation IBVPA. Diese hatten gegenüber dem SPIEGEL beide die Kleidervorschriften explizit bestätigt. In einer Mail der FIVB vom 17. Februar heißt es, man respektiere die Kultur und Traditionen des Gastgeberlandes. Und weiter: »Die Kleidervorschriften wurden von den betreffenden katarischen Behörden angefordert.«

Dementi wegen internationaler Schlagzeilen?

Von der Spielervereinigung IBVPA hieß es dazu am selben Tag, es würde »spezielle Anforderungen« geben. »Die Kleidung muss bei Frauen über die Schultern und bis zu den Knien gehen.« Die Vorschriften finden sich ebenfalls auf der Website des Weltverbands zur Veranstaltung veröffentlicht, dort finden sich in einer PDF unter Punkt zehn »wichtige Mitteilung zur Kleidung von Frauen« mehrere Absätze und eine Abbildung von T-Shirt und Shorts mit der indizierten »Minimumlänge«.

Ob das Dementi nun ein Rückrudern der Katarer aufgrund der weltweiten Schlagzeilen in den vergangenen Tagen darstellt, blieb zunächst unklar.

Die Kleidervorschriften hatten seit dem Wochenende durch eine SPIEGEL-Recherche internationale Aufmerksamkeit bekommen. Mit Karla Borger und Julia Sude hatte Deutschlands aktuell bestes Team, auf der Weltrangliste auf Platz 16, im SPIEGEL seinen Verzicht auf die Veranstaltung erklärt. »Wir wollen das nicht mittragen«, sagten Borger und Sude dem SPIEGEL.

Borger und Sude kritisierten im SPIEGEL die aktuellen Regeln für die Frauen unter unterschiedlichen Gesichtspunkten. »Es geht gar nicht um wenig anhaben oder nicht. Es geht darum, dass wir in unserer Arbeitskleidung nicht unsere Arbeit machen können«, sagte Sude. Beachvolleyball sei außerdem »verdammt anstrengend«, sagte Borger: »Wir passen uns in jedem Land an, wo wir können. Wir sind dazu auch bereit. Aber du bist da in der Hitze nur am Triefen.«

Für Ärger sorgte auch, dass offensichtlich mit zweierlei Standard geurteilt wurde. Die Leichtathletinnen durften bei ihrer Weltmeisterschaft 2019 in Doha noch mit ihrer üblichen kurzen Arbeitskleidung in die Wettkämpfe gehen. Laut schriftlicher Mitteilung der Spielervereinigung gegenüber dem SPIEGEL habe es damals »eine Ausnahme für Leichtathletik von der königlichen Familie« gegeben. Warum die Volleyballerinnen keine bekamen, blieb jedoch offen.

Icon: Der Spiegel



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