FC Schalke 04: Shkodran Mustafi, Sead Kolasinac und Klaas-Jan Huntelaar – aus Erfahrung schlecht

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Es gibt ein paar Trainer, von denen erzählt wird, dass sie schon als Spieler wie Trainer dachten. Matthias Sammer etwa, aber auch weniger erfolgreiche Spieler wie Thomas Tuchel und Julian Nagelsmann. Von Shkodran Mustafi ist so etwas nicht überliefert. Es sollte nun aber zumindest in Erwägung gezogen werden, ihn in die Liste aufzunehmen.

»Wir müssen das analysieren und möglicherweise umstellen«, sagte Mustafi nach dem 0:3 des FC Schalke 04 gegen RB Leipzig. Er sprach dabei über die Taktik bei der Abwehr von sogenannten Standardsituationen, also die ureigene Aufgabe eines Trainers. Schalke wehre in einer Mischung aus Raum- und Manndeckung ab: »Da muss jeder genau wissen, was zu tun ist.« Er ging noch weiter ins Detail. Das hob sich angenehm ab von den Standardantworten auf Standardfragen nach Standardsituationen, dass das immer »viel zu einfach« für den Gegner sei.

Die klaren Worte waren trotzdem überraschend. Mustafi spielte zum ersten Mal für Schalke. Er hatte zuvor nicht mal mit seinen Kollegen trainiert, denn bis einschließlich Freitag musste er nach seinem Wechsel vom FC Arsenal in Quarantäne verweilen. Mustafi gab zu, »einige Namen noch nicht so draufgehabt« zu haben, mischte sich aber gleich mal in die Arbeit von Christian Gross ein. Das war selbstbewusst, vielleicht etwas überheblich oder eine Mischung davon – gewiss war es aber auch der Versuch, von einem eigenen Fehler abzulenken. Er war zwar einer derjenigen, der »in der Zone« abwehren sollte, aber Nordi Mukiele stand nun mal in der Nachspielzeit der ersten Hälfte direkt bei Mustafi, sprang höher, köpfte ein. Schalke lag nach ordentlicher Leistung 0:1 zurück.

Direkt nach der Pause verlor Mustafi einen wichtigen Zweikampf gegen Alexander Sörloth, beim 0:3 sprang er unter dem Ball durch – erneut nach einer Standardsituation. »Ich war nicht zu Hundert Prozent zufrieden mit ihm«, sagte Trainer Gross, gab sich aber überzeugt, dass Mustafi schon bald der Chef in seiner Abwehr sei. Er brauche in der fast hoffnungslosen Lage im Abstiegskampf Erfahrung, so Gross. Daher habe der 28 Jahre alte Weltmeister von 2014 auch den Vorzug vor dem 19 Jahre alten Malick Thiaw erhalten.

Das Talent aus dem Nachwuchsleistungszentrum »Knappenschmiede« hatte drei Tage zuvor beim Pokalspiel in Wolfsburg einen guten Eindruck hinterlassen. Thiaw gilt als einer, der nach einem immer wahrscheinlicher werdenden Abstieg dabei helfen kann, möglichst sofort wieder in die Bundesliga zurückzukehren. Auch Matthew Hoppe gehört in die Reihe der jungen und günstigen Hoffnungsträger. Er ist mit fünf Treffern Schalkes bester Torschütze. Bald könnte aber auch er jemandem weichen müssen, der deutlich erfahrener und fast doppelt so alt ist. Klaas-Jan Huntelaar fehlte gegen Wolfsburg, weil eine Wadenverletzung »wieder aufgebrochen« sei, wie Gross sagte. Der Schweizer musste sich daraufhin die Frage gefallen lassen, ob der Transfer des Stürmers von Ajax Amsterdam überhaupt Sinn gemacht habe. Gross »denkt schon« – auch wenn Huntelaar mit seiner Spielweise als Strafraumstürmer nicht zur Schalker Spielweise passt.

Die Zweifel an den drei namhaften Zugängen des Winters aber sind erlaubt, denn das erfahrene Trio musste in den vergangenen Monaten vor allem erfahren, dass ihre Trainer andere bevorzugen. Huntelaar kam in dieser Saison bei Ajax auf 14 Einsätze mit 420 Minuten Spielzeit. Bei Mustafi waren es gut 500 Minuten, 400 davon in der Europa League, als Arsenals Trainer Mikel Arteta gegen Gegner aus Molde und Dundalk seine Besseren schonte.

Schalke spielt gegen Leipzig fürchterlich harmlos

Dass auch Sead Kolasinac den Klub aus dem Norden Londons verließ, haben viele Arsenal-Fans mit Wohlwollen gesehen. Er bringt zwar die meiste Spielpraxis mit, in der Premier League reichte es aber auch nur zu einem Einsatz. Kolasinac galt als verletzungsanfällig und fehlerhaft. In Gelsenkirchen hofften sie, dass sie ihren alten »Seo« zurückbekommen, der mit der U19 Deutscher Meister geworden war und zwischen 2012 und 2017 die besseren Zeiten in Königsblau erlebte. Kolasinac wurde sofort zum Kapitän gemacht, mit Erwartungen beladen, die er nur in hauchzarten Ansätzen erfüllen konnte. Gegen Leipzig stauchte er Hoppe lautstark zusammen, weil dieser im Mittelfeld den Ball verlor. Dass der Mittelstürmer den Spieß nicht drehte, obwohl es mehrere Gelegenheiten gab, zeigte die Hackordnung in der Mannschaft an.

Mit einigen Fehlern in der Defensive, verlorenen Laufduellen und ohne Wirkung in der Offensive enttäuschte Kolasinac. Schalke war wieder mal fürchterlich harmlos, und das war auch dem Kapitän geschuldet, der doch vorangehen sollte und wollte.

Schalke gab nur drei Torschüsse ab (Leipzig 24), schlug nur eine Flanke, holte nur einen Eckstoß heraus, nur ein Schuss kam auch aufs Tor. In zehn der 20 Bundesligaspiele blieben die Gelsenkirchener ohne Treffer, nur in einem ohne Gegentor.

»Der Kopf ist das wichtigste Körperteil im Fußball. Wir brauchen mal ein Erfolgserlebnis, um die Blockade zu lösen«, sagte Mustafi, der den 4:0-Sieg gegen Hoffenheim vor einem Monat in London wohl nicht mitbekommen hat. Aber so reden kommende Trainer nun mal.

Icon: Der Spiegel



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