Opel Mokka: Der neue Kompakt-SUV im Test

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Der erste Eindruck: Klein und knackig.

Das sagt der Hersteller: »Mit dem Mokka haben wir Opel neu erfunden«, sagt Firmenchef Michael Lohscheller mit Blick auf den SUV, der im aktuell am stärksten wachsenden Marktsegment gegen Konkurrenzmodelle wie VW T-Roc oder Ford Puma antritt. Dank der neuen Designsprache soll der Mokka zum Blickfang werden und die Wahrnehmung der Marke verändern.

Das ist bitter nötig, denn die Zeit, in denen Opel in einem Atemzug mit VW genannt wurde, sind lange vorbei. Weder Image noch Technik und schon gar nicht die Absatzzahlen lagen zuletzt auch nur annähernd gleichauf. Lohscheller ist deswegen klar, dass er mehr auffahren muss als einen frischen Look. »Der Mokka macht Spaß, ist effizient und in jeder Hinsicht innovativ«, sagt Lohscheller und meint damit das erste Digitalcockpit bei Opel, mehr als ein Dutzend Assistenzsysteme und die freie Wahl bei den Antrieben.

Wie sonst nur die Schwestermarke Peugeot beim Modell 2008 oder etwa Hyundai beim Kona gibt es den Mokka vom Start weg als Verbrenner oder Akku-Auto. Aus gutem Grund: Der Elektroanteil bei den privat zugelassenen Kleinwagen vom Typ Opel Corsa liegt bei 27 Prozent.

Es ist schon okay, dass Lohscheller stolz ist auf den Mokka und den Neuanfang beschwört. Der Verdienst gehört aber nur zum Teil Opel: Der SUV basiert auf einer Plattform der Konzernmutter PSA, übernimmt von dort den Antrieb und viele Assistenzsysteme — und wird sogar in Frankreich gebaut. War es früher General Motors, ist es jetzt der gerade mit Fiat-Chrysler zu Stellantis fusionierte PSA-Konzern, der die deutsche Marke bemuttert. Immerhin stammt das Design, das sich erfreulich eng an der Studie GT X Experimental orientiert, aus Rüsselsheim. Und während der Mokka technisch allenfalls gehobener Durchschnitt ist, macht er äußerlich tatsächlich einen Unterschied.

Das ist uns aufgefallen: Mit einer digitalen Bildschirmlandschaft hinter dem Lenkrad und den erfreulich reduzierten Tastenleisten wirkt der Mokka erfrischend modern. Und er transportiert den sportlichen Anspruch des Außendesigns bis in die Kabine: Für ein SUV ist er ungewöhnlich flach, rund zwölf Zentimeter niedriger als das Vorgängermodell, und er bietet auch eine entsprechend niedrige Fahrposition in relativ stark konturierten Sitzen. Und das, obwohl im Unterboden sogar noch der Platz für die Akkus der Elektroversion vorgehalten wird.

Das Fahrwerk ist sauber abgestimmt, die Lenkung stramm und präzise. Mit den 100 kW Leistung und 150 km/h Höchstgeschwindigkeit in der Elektroversion kommt man gut zurecht. Es ist keine Überraschung, dass sich der Mokka-E beim Beschleunigen sowie bei den beiden Rekuperationsstufen und den drei Leistungsniveaus ähnlich anfühlt wie der Corsa-E — beide Autos nutzen die gleiche Plattform und die identischen Antriebe.

Die stärkste Verbrennermotorisierung ist der 130-PS-Benziner, der seinen Dienst, vom typischen Schnattern des Dreizylindermotors begleitet, souverän verrichtet. Unnötige Leistungsexzesse wie beim VW T-Roc, den es mit bis zu 300 PS gibt, verkneift sich Opel glücklicherweise.

Duldsam sollten die Fondpassagiere sein. Die Kniefreiheit ist bei einem Radstand von 2,56 Meter eher knapp, die schnittige Form und die flachen Scheiben verstärken den Eindruck von Enge und der Kofferraum ist mit 350 Litern Volumen weder sonderlich groß, noch gibt es Nützlichkeiten wie eine verschiebbare Rückbank. Damit jedoch kommt Opel klar, denn wer ein eher praktisches Auto sucht, für den steht ja das Modell Crossland parat. Der kostet weniger, bietet dafür ein paar Zentimeter mehr Auto — und sieht zum Gähnen aus.

Das muss man wissen: Wenn der neue Mokka ab Ende Februar in den Handel kommt, gibt es ihn mit vier Motoren: Als Verbrenner stehen zu Preisen ab 19.990 Euro ein 1,5 Liter großer Vierzylinder-Diesel mit 110 PS Leistung sowie zwei Dreizylinder-Benziner mit 1,2 Liter Hubraum und 100 oder 130 PS Leistung zur Wahl. Dazu kommt für mindestens 34.110 Euro die E-Version mit 100 kW Leistung und einem 50 kWh großen Akku, der eine WLTP-Reichweite von 324 Kilometern ermöglicht. Der Mokka-E wird serienmäßig mit einem 100-kW-Lader ausgestattet, sodass im besten Fall (100-kW-Gleichstrom) nach neun Minuten schon wieder Energie für 100 Kilometer Fahrt in der Batterie ist.

Während die E-Version mit Rücksicht auf die Reichweite auf 150 km/h limitiert ist, kommen Benziner und Diesel auf Spitzengeschwindigkeiten zwischen 188 und 202 km/h und auf Verbrauchswerte zwischen 3,8 und 4,9 Liter.

Mehr Auswahl bietet Opel bei der Ausstattung. Serienmäßig sind LED-Scheinwerfer und Digitalcockpit, gegen Aufpreis gibt es unter anderem Matrix-Licht, eine automatische Abstandsregelung, Hilfe bei der Spurführung oder eine Panorama-Kamera fürs Rangieren. Was es nicht gibt, ist ein Allrad-Antrieb. Auch das unterscheidet den Mokka von vielen Konkurrenten.

Das werden wir nicht vergessen: Die lange Suche nach dem Opel-Schriftzug. In Rüsselsheim halten sie den Mokka offenbar für so einzigartig und unverwechselbar, dass sie zwar in großen Lettern den Modellnamen ans Heck geklebt und natürlich vorn und hinten das Blitz-Logo angebracht haben. Doch den Firmennamen kann man erst lesen, wenn man die Gravur um den Opel-Blitz inspiziert. Auch das ist ein Ausdruck für das neue Selbstbewusstsein.

Icon: Der Spiegel



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