CDU: Jens Spahn sondierte Chancen für Kanzlerkandidatur

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Jens Spahn unterstützt bislang Armin Laschet beim Rennen um den Vorsitz in der CDU. In einem Team wollen sie sich für die Parteispitze bewerben, Spahn überließ Laschet aber die Kandidatur für den Vorsitz. Nach SPIEGEL-Informationen hat der Bundesgesundheitsminister jedoch ganz eigene Pläne. Offenbar sondierte Spahn zum Jahresende 2020 seine Chancen für eine Kanzlerkandidatur im kommenden Jahr.

Wie ein halbes Dutzend CDU-Mitglieder bestätigen, wandte sich Spahn in Telefonaten an Landtagsabgeordnete, Fraktionskollegen und Landesfunktionäre, um deren Haltung zu einer möglichen Kanzlerkandidatur von ihm zu ergründen, auch mit Hinweis auf seinen eigenen Umfragestatus als beliebtester Politiker Deutschlands.

Zuvor hatte Spahn nach SPIEGEL-Informationen bereits versucht, seinen Teampartner Laschet über Umwege zur Aufgabe der Kandidatur zu seinen eigenen Gunsten zu bewegen. Nicht nur junge Abgeordnete, auch Parteivize Volker Bouffier soll gegenüber Laschet die Idee eines möglichen Rollentauschs ins Spiel gebracht haben. Dieser lehnte jedoch ab.

Spahn selbst zeigte sich in mindestens einer internen Sitzung einer Gruppe von Unionsabgeordneten kurz vor Weihnachten noch offen für die Idee des Rollentauschs. Auf die Aufforderung einer Unterstützerin sagte er laut Teilnehmern, er werde darüber über Weihnachten noch einmal schlafen.

Ein Sprecher von Spahns Ministerium teilte mit: »Der Minister tauscht sich ständig mit Parteimitgliedern aus. Dabei geht es selbstverständlich auch um die Stimmung vor dem Parteitag, die Unterstützung für das Team mit Armin Laschet und die beste Aufstellung von CDU und CSU für das Wahljahr.«

Wachsende Unzufriedenheit in der CDU

Im Dezember erteilte Spahn den Rufen nach einer Solokandidatur angesichts seiner in der Corona-Pandemie gestiegenen Beliebtheitswerte öffentlich erneut eine Absage. »Ich habe im Februar entschieden, mit Armin Laschet im Team anzutreten, mit ihm als Kandidat für den Vorsitz. Das gilt«, sagte der Bundesgesundheitsminister damals.

In der CDU mehren sich jedoch die Stimmen, die einen Neustart des Rennens um den Parteivorsitz und eine Kandidatur von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn fordern.

Hintergrund der Äußerungen ist die wachsende Unzufriedenheit in der CDU mit den bisherigen Bewerbern. In der Bundestagsfraktion und mehreren Landesverbänden fürchten mittlerweile viele Christdemokraten, dass keiner der drei der CDU im Wahljahr einen echten Schub verleihen kann. »Wir haben drei respektable und gestandene Persönlichkeiten als Kandidaten, aber keiner steht so richtig für Aufbruch und Erneuerung«, sagte der Mannheimer CDU-Abgeordnete Nikolas Löbel im Oktober dem SPIEGEL. Spahn habe nach der Kanzlerin die derzeit besten Umfragewerte. Das, so Löbel, könne für die CDU »ein Wink mit dem Zaunpfahl sein, aus drei Kandidaten einen Konsenskandidaten zu machen«.

Auch Armin Laschet will von einem Rollentausch mit dem Minister nichts wissen. »Ich arbeite gut mit Jens Spahn zusammen, wir telefonieren regelmäßig und stimmen die Grundlinien miteinander ab«, sagte Laschet im Oktober dem SPIEGEL.

Icon: Der Spiegel



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