Großbritannien: Corona-Mutation führt nicht häufiger zu schweren Verläufen

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Die Mutation des Coronavirus in Großbritannien hat sich längst in der Welt verbreitet. In Deutschland trat bereits im November ein Fall mit der Variante namens B.1.1.7 auf. Zuletzt wurde die Mutation erstmals in Chile nachgewiesen, auch im US-Bundesstaat Colorado. Dort trat der mutierte Virustyp bei einem jungen Mann auf, der den Angaben zufolge zuletzt nicht einmal verreist war.

Experten hatten vermutet, dass sich B.1.1.7 schneller verbreitet als die bisher bekannten Viruslinien. Aber wie gefährlich die Mutation ist, darüber war bisher kaum etwas bekannt. Forscher aus Großbritannien geben nun zumindest leichte Entwarnung. Nach einer aktuellen Untersuchung der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England verursacht B.1.1.7, von den Forschern »Variant of Concern 202012/01« genannt, keine schwereren Erkrankungen als andere Varianten.

Für die Untersuchung verglichen die Forscher 1769 Personen, die mit der neuen Variante infiziert waren, mit 1769 Personen, die den sogenannten Wildtyp hatten – insgesamt 3538 Fälle. Die beiden Gruppen wurden auf der Basis von Alter, Geschlecht, Wohnort und Zeitpunkt des Tests abgeglichen.

Von den insgesamt 42 Personen, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden, waren 16 (0,9 Prozent) mit der neuen Variante infiziert, während 26 Fälle (1,5 Prozent) eine Wildtyp-Infektion hatten, so die Studie. In der B.1.1.7-Gruppe starben zwölf Menschen, während es bei der Kontrollgruppe zehn waren. »Vorläufige Ergebnisse der Kohortenstudie zeigten keinen statistisch signifikanten Unterschied in der Hospitalisierung und der 28-Tage-Todesrate zwischen Fällen mit der Variante und Wildtyp-Vergleichsfällen«, schreiben die Autoren der Studie.

Allerdings erhärtet die Untersuchung den Verdacht, dass die B.1.1.7-Variante ansteckender ist. Die Befallsrate (secondary attack rate) lag bei der Mutation bei rund 15 Prozent – im Vergleich zu rund zehn Prozent bei der klassischen Varianten. Das bedeutet: Die Mutation führte bei den Kontaktpersonen von B.1.1.7-Infizierten häufiger zu neuen Infektionen.

Höhere Viruskonzentration bei der B1.1.7-Mutation

Die Untersuchungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Deshalb müssen die Ergebnisse mit einiger Vorsicht interpretiert werden, da sie bisher noch keine signifikanten, also klar erkennbaren Unterschiede deutlich machen. Selbst über die höhere Befallsrate wird in Fachkreisen noch diskutiert.

Zu den Ergebnissen der Kohortenstudie passt eine Untersuchung, die Labormediziner aus Birmingham durchgeführt haben. Die auf einen Preprintserver hochgeladene und noch nicht wissenschaftlich begutachtete Analyse zeigt: Menschen, die von der B.1.1.7-Variante befallen sind, weisen höhere Viruskonzentrationen in ihren Proben auf. Das Team um Michael Kidd hatte die Tests von symptomatischen Patienten untersucht und fand bei 35 Prozent der B.1.1.7-Infizierten eine höhere Viruslast. Bei der herkömmlichen Variante waren es nur etwa zehn Prozent.

»Es scheint, dass Patienten mit der B.1.1.7-Variante eine höhere Viruslast haben. Dadurch könnte das Virus leichter auf andere Menschen übertragen werden«, schreiben die Experten. Gleichzeitig stellen sie klar: Auch ihre Daten taugen nur als Zwischenergebnis.

Eine schnellere Verbreitung könnte in der aktuellen Lage aber das größere Problem sein. Denn selbst wenn keine schwereren Verläufe aus der B.1.1.7-Variante resultieren, wird das wohl nicht ins Gewicht fallen, da sich schneller mehr Menschen infizieren.

Unter der B.1.1.7-Linie werden mehrere Veränderungen zusammengefasst. Die Mutation N501Y bereitet den Virologen die größten Sorgen. Sie könnte sich auf das sogenannte Spike-Protein auswirken, mit dem das Virus an menschliche Zellen andockt. Durch die Veränderung könnte diese Verbindung deutlich stabiler geworden sein – deshalb dringt das Virus möglicherweise leichter in die Zellen ein und vermehrt sich dort.

Am Dienstag hatte der britische Virologe Andrew Hayward, der auch die Regierung berät, davor gewarnt, dass Großbritannien in den kommenden Wochen auf eine Katastrophe zusteuert, wenn es nicht härter gegen die ansteckende Variante der Krankheit vorgeht. Das Land meldete am Dienstag 53.135 neue Corona-Fälle, die höchste Zahl seit Beginn der Massentests Mitte 2020. Am Mittwoch hatte Gesundheitsminister Matt Hancock angekündigt, die Lockdown-Maßnahmen in England zu erweitern.

Icon: Der Spiegel



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