Corona im Vatikan: Frühere Christmette – und »Urbi et Orbi« ohne Zuschauer

0
36



Die traditionelle Christmette von Papst Franziskus an Heiligabend im Vatikan findet in diesem Jahr deutlich früher statt – sie begann schon um 19.30 Uhr. So sollen Gläubige die italienische Ausgangssperre ab 22 Uhr einhalten können. Die Corona-Pandemie brachte jedoch nicht nur die Abläufe an Heiligabend durcheinander. So wird der 84-jährige Papst die Weihnachtsbotschaft am 25. Dezember und den Segen »Urbi et Orbi« (»Der Stadt und dem Erdkreis«) nicht von der Loggia des Petersdoms aus vortragen, sondern in der Benediktionsaula des Doms. Anders als in den Vorjahren können sich wegen der Coronavirus-Pandemie keine Menschenmassen vor dem Petersdom versammeln.

Mit dem Segen »Urbi et orbi« erlässt der Papst den Gläubigen die Strafen für ihre Sünden, wenn sie diese schon zuvor beispielsweise in der Beichte oder durch Gebete bereut haben. Er wird in der Regel an Ostern und Weihnachten gespendet und dann, wenn ein Papst neu gewählt wurde. »Urbi et orbi« richtet sich an die Stadt Rom, deren Bischof der Papst ist, und an den Erdkreis, also die Welt.

Erstmals »Wort zum Heiligabend« nach der »Tagesschau«

Derweil haben sich die beiden obersten deutschen Bischöfe von evangelischer und katholischer Kirche erstmals mit einem »Wort zum Heiligabend« gemeinsam an das ARD-Fernsehpublikum gewandt. Es sei ein besonderes Weihnachten, erklärten der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, am Donnerstagabend im Anschluss an die »Tagesschau«. Das Coronavirus habe »unermessliches Leid über die Menschheit gebracht, auch hier bei uns in Deutschland«. 

Die Pandemie habe den Menschen ihre eigene Verletzlichkeit vor Augen geführt und viele nachdenklich gemacht. Es stelle sich die Frage, was wirklich wichtig sei im Leben. »Vieles haben wir für allzu selbstverständlich genommen. Gerade jetzt spüren wir, wie wertvoll das Leben ist.« 

Die derzeitige Situation könne man als Einladung zu einem bewussten Leben und als Aufforderung zu einer neuen Solidarität verstehen. »Es ist gut, wenn wir auch in diesen Tagen Rücksicht aufeinander nehmen und so menschliches Leben schützen«, betonten Bätzing und Bedford-Strohm. »Der gemeinsame Wille zur Eindämmung des Coronavirus gehört in diesem Jahr zu Weihnachten dazu.«

Papst besorgt über Lage im Libanon

Der Papst wandte sich an Heiligabend außerdem mit einer Botschaft an die Menschen im Libanon. Darin äußerte er sich besorgt über die Lage in dem Küstenland. Es sei schmerzhaft zu sehen, dass die Menschen ihrer Sehnsucht beraubt werden, in Frieden zu leben, schrieb der Papst an den Patriarchen der Syrisch-Maronitische Kirche von Antiochien, Kardinal Béchara Boutros Raï. Die Maroniten zählen zu den größten christlichen Religionsgemeinschaften im Libanon.

Von den politischen und religiösen Führern forderte Franziskus, nicht dem eigenen Vorteil, sondern ihrem Land und ihrer Nation zu dienen. »Lasst uns dem Libanon helfen, sich aus Konflikten und von Spannungen in der Region fernzuhalten«, erklärte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Der 84-Jährige dachte in seinem Schreiben auch an die viele jungen Menschen, »denen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft entzogen werde«, und hoffte, die Menschen im Libanon »so bald wie möglich« besuchen zu können.

Nach einer gewaltigen Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut im August hatte Franziskus im September zuletzt schon einmal zur internationalen Unterstützung für den Wiederaufbau im Libanon aufgerufen und weltweite Hilfen für das Krisenland im Nahen Osten gefordert. In einer weiteren Botschaft gemeinsam mit dem Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, drückten die religiösen Würdenträger ihren Wunsch aus, den Südsudan zu besuchen.

Icon: Der Spiegel



Source link

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here