Lockerbie-Attentat: US-Justizministerium will Libyer vor Gericht stellen

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32 Jahre nach dem Flugzeug-Attentat von Lockerbie gibt es neue Bewegung in den Ermittlungen. US-Justizminister William Barr teilte in Washington mit, die USA wollten einen weiteren Verdächtigen in dem Fall vor Gericht stellen. Es handle sich um einen früheren libyschen Geheimdienstmitarbeiter, der die Bombe für das Attentat gebaut haben soll, sagte Barr. Der Mann sei in Libyen in Haft.

Die US-Regierung werde die libysche Führung um seine Auslieferung bitten, damit ihm in den USA der Prozess gemacht werden könne, sagte Barr. Er sei optimistisch, dass die libysche Regierung dem Gesuch nachkommen werde.

Ein Jumbo-Jet der US-Fluggesellschaft Pan Am war am 21. Dezember 1988 auf das schottische Dorf Lockerbie gestürzt. Bei dem Attentat starben 270 Menschen, darunter elf Dorfbewohner. Die Maschine war damals auf dem Weg von London nach New York. Die meisten Todesopfer waren Amerikaner. Barr sagte, die Attacke habe sich eindeutig gegen die USA gerichtet.

Bisher hat es nur eine Verurteilung in dem Fall gegeben: der libysche Geheimdienstoffizier Abdel Bassit al-Megrahi. Er war 2009 vorzeitig aus schottischer Haft entlassen worden, weil ihm Ärzte eine Lebenserwartung von nur noch wenigen Monaten bescheinigt hatten. 2012 starb er an Krebs. Seine Angehörigen haben posthum Revision eingelegt. Das Berufungsverfahren läuft. Ein weiterer Verdächtiger aus Libyen war damals freigesprochen worden.

Barr sagte, der dritte Mann sei bereits in der Vergangenheit ins Visier der Ermittler geraten – zuvor hätten die Erkentnisse jedoch nicht ausgereicht, um gegen ihn vorzugehen. Den Durchbruch habe schließlich ein Verhör der libyschen Behörden gebracht, das diese an die USA übermittelt hätten.

Der Verdächtige soll laut US-Justizministerium auch in andere Terrorpläne gegen die USA und den Westen verwickelt gewesen sein – unter anderem in den tödlichen Bombenanschlag auf die West-Berliner Disco La Belle im Jahr 1986. Einzelheiten dazu wurden nicht genannt.

Russland, Hunter Biden, US-Wahl: Barr gibt Trump contra

Bei seiner wohl letzten Pressekonferenz als Justizminister ging Barr, der zuletzt wiederholt Differenzen mit Donald Trump hatte, auf Distanz zum Präsidenten: Wie US-Außenminister Mike Pompeo vermutet auch Barr Russland hinter dem massiven Hackerangriff auf amerikanische Regierungseinrichtungen. Es erscheine sicher, dass es die Russen gewesen seien, sagte Barr.

Trump hatte Russland in der Frage am Wochenende in Schutz genommen und ohne Beleg China als möglichen Urheber der Cyberattacke ins Gespräch gebracht. Trump schrieb am Samstag auf Twitter, es werde immer gleich Russland verdächtigt, wenn etwas passiere. Dabei könne es möglicherweise auch China sein. Trump spielte auch das Ausmaß des Hackerangriffs herunter und erklärte, alles sei unter Kontrolle.

Nach bisherigen Erkenntnissen sind Hacker bereits vor vielen Monaten in die Systeme verschiedener Ministerien, Bundesbehörden und Unternehmen eingedrungen. Demnach verschafften sie sich über Software der Firma SolarWinds Zugang zu den Systemen.

Auch der Forderung Trumps, einen Sonderermittler zu ernennen, um den haltlosen Wahlbetrugsvorwürfen des Präsidenten auf den Grund zu gehen, kam Barr nicht nach. Gleiches gilt für Trumps Forderungen im Fall Hunter Biden: Die Staatsanwaltschaft nahm zuletzt Ermittlungen gegen den Sohn des designierten Präsidenten Joe Biden auf. Auch hier hatte sich Trump für die Einsetzung eines Sonderermittlers stark gemacht. Er sehe weder bei den Wahlbetrugsvorwürfen noch im Fall Hunter Biden Bedarf für einen solchen Schritt, teilte Barr mit.

Icon: Der Spiegel



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