Coronavirus: Arzt in Sachsen über Lage auf Intensivstationen

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Christian Kleber, Uniklinik Dresden 
»Sie müssten mich mal einen Tag begleiten und sie müssten mal einen Tag das Leid und die Probleme letztendlich miterleben, in denen wir stecken.« 

Seit Mittwoch ist Deutschland wieder im Shutdown. Der Einzelhandel ist dicht, mitten im Weihnachtsgeschäft. Die Menschen sollen möglichst zuhause bleiben und auf Kontakte verzichten, sich und andere nicht anstecken.  

Stimmen von Fußgängerinnen und Fußgängern:
»Es ist nun mal ‘ne Notlage!« 
»Ich find’s ganz angenehm, dass es mal ein bisschen ruhiger ist.«
»Schlimm einerseits für die Geschäfte…« 
«…aber um die Pandemie einzudämmen, finde ich das ganz gut.« 

Der Grund für die drastischen Maßnahmen ist im Alltag der meisten Menschen nicht sichtbar. Das Leid der schwer Erkrankten spielt sich hinter verschlossenen Türen ab, auf den Intensivstationen im ganzen Land. In immer mehr Regionen geraten Krankenhäuser und ihr Personal an ihre Belastungsgrenze. Corona-Patienten mit besonders schweren Verläufen, meistens im hohen Alter, sind extrem betreuungsintensiv. 

Immer schwerer zu handhaben wird die Lage für Ärzte und Pflegepersonal vor allem in den derzeit von den höchsten Ansteckungsraten betroffenen Bundesländern im Osten. Für den Chef der Corona-Leitstelle für Ostsachsen an der Uniklinik Dresden kam die Verschärfung des Shutdowns keinen Tag zu früh. 

Christian Kleber, Uniklinik Dresden 
»Ich kann Ihnen nur sagen, dass wir jegliche Maßnahmen, die die Politik als für sinnvoll erachtet, um unsere Neuinfektionszahlen zu reduzieren, ergreifen müssen. Und wenn Sie mich fragen, ob das jetzt der richtige Zeitpunkt ist, dann kann ich das absolut bestätigen, weil wir wie gesagt in den Kliniken an einer Belastungsgrenze angelangt sind und wie gesagt schon Patientin umverteilen müssen, weil wir für diese Patienten kein freies Bett mehr haben. Und wenn Sie mich fragen: Sind wir an einer Belastungsgrenze? Dann kann ich Ihnen sagen: Ja, und wir sind in einzelnen Krankenhäusern in unserem sächsischen Bereich schon drüber.« 

Für Menschen, die die Erkrankung Covid-19 nach wie vor verharmlosen oder sich gegen die Corona-Maßnahmen aussprechen, hat der leitende Oberarzt nur begrenzt Verständnis. 

Christian Kleber, Uniklinik Dresden 
»Ich verstehe, dass man Dinge skeptisch betrachtet, und ich verstehe auch, dass wenn man ein junger, gesunder Mensch ist und eine Covid-Infektion durchmacht und dabei keinerlei Probleme nach sich getragen hat, dass das für einen auf Irritation stößt. Aber ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, wenn wir diese Patienten hier sehen, und wir sehen auch die 28-Jährige, die an Covid verstirbt, ja. Wir sehen schwerste neurologische Schäden durch die Covid-Erkrankungen. Wir sehen schwerste Post-Covid-Problematiken mit Konzentrationsstörungen, neurologischen Ausfällen, dann finde ich diese Bagatellisierung der Erkrankung einfach nicht mehr nachvollziehbar. Wenn Sie mal auf eine Station gehen würden und sich das Leid dort angucken würden. Wenn Sie mal mit meinen Kollegen hier in der Leitstelle sich auseinandersetzen würden, die die Probleme haben, dass sie die Patienten noch einem Krankenhaus zuteilen können, dann glaube ich, würde ein anderes Verständnis einkehren.« 

 



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