Wirecard-Skandal: Wie die Bundesregierung den Zahlungsabwickler umgarnte

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Was den deutschen Diplomaten so in Entzücken versetzte, ist der Mail nicht zu entnehmen: Kerzen? Parfüm? Raumspray? In jedem Fall traf es seinen Gusto. »Der geschmackvolle Duft ist bereits zum Einsatz gekommen und verbreitet sein Aroma in unserem kleinen Hutong«, schreibt der Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Peking. Er bedanke sich bei den Gästen für die »hochwertigen Geschenke«, die sie ihm und seiner Frau auf einem »Event« in seinem Privathaus überreicht hätten. Er wünsche »viel Erfolg weiterhin beim Chinageschäft«.

Der intime Inhalt ist ungewöhnlich für eine E-Mail vom Dienstaccount der deutschen Botschaft. Politisch heikel aber sind vor allem die Empfänger: hochrangige Manager von Wirecard, jenem Dax-Konzern, dessen Ex-Chef Markus Braun und weiteren Beschuldigten die Staatsanwälte mittlerweile »gewerbsmäßigen Bandenbetrug« vorwerfen, was diese bestreiten.

Absender der Dankesmail vom Dezember 2018 ist der deutsche Finanzreferent in Peking. Das Schriftstück findet sich in Akten, die der parlamentarische Untersuchungsausschuss zur Aufklärung des Skandals von der Bundesregierung erhalten hat. Die vertraulichen Dokumente illustrieren, dass die Regierenden Wirecard, anders als sie bisher behaupten, nicht bloß die übliche Schützenhilfe für deutsche Firmen im Ausland zukommen ließen, sondern sich regelrecht an den Finanzkonzern heranwarfen – und das, als Vorwürfe der Bilanzmanipulation, Untreue und Geldwäsche längst im Raum standen.



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