Kingsley Coman: Beim FC Bayern unverzichtbar – aber nicht wegen seiner Dribblings

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1. Kingsley Coman ist der Unterschätzte beim FC Bayern

Coman ist für den FC Bayern ein echter Trumpf geworden – aber nicht wegen seiner Dribblings oder seines Tempos, sondern wegen seiner klugen Bewegungen. Im Topspiel gegen Leipzig (3:3) gab er zu allen Bayern-Toren die Vorlage. Ohne, dass er davor einen Gegenspieler ausgetanzt oder überlaufen hätte.

  • Vor dem ersten Tor der Münchner setzt sich Coman zweimal nach hinten ab, um den Mitspielern vor ihm einen Ausweg aus der Klemme zu bieten. Dann zieht er mit dem Ball am Fuß ins Zentrum, wartet, bis so viele RB-Verteidiger wie möglich auf ihn achten, und legt dann auf den nun freien Torschützen Jamal Musiala ab.

  • Das zweite Tor ermöglicht Coman mit einem brillanten Laufweg. Erst erkennt er, dass Robert Lewandowski das Sturmzentrum verlassen hat und nimmt dessen Position ein. Damit bindet er Leipzigs Dayot Upamecano, der Lewandowski eigentlich verfolgen will. Als der Pole den Ball erhält, stürmt Upamecano doch los, Coman ist nun frei, erhält von Lewandowski den Ball, ein Blick, ein Pass, dann ist Thomas Müller frei durch und trifft.

  • Vor dem dritten Treffer hat Coman den Flügel gewechselt, er spielt nun rechts und flankt den Ball punktgenau auf Müller, handlungsschnell und technisch sauber.

Dass die 90 Minuten gegen RB keine Ausnahme sind, zeigt ein Blick in die Daten. Laut Whoscored.com dribbeln fünf Bayern-Profis im Schnitt häufiger als Coman. Aber niemand gibt mehr Vorlagen. Vielleicht hängt das auch mit seiner Position zusammen. Gegen RB spielte er selten außen, meist hielt er sich im Halbraum auf, der Zone zwischen Zentrum und Flügel. Dort ist das Spiel komplexer, weil die Gegner von überall kommen. Coman scheint das nicht zu stören, im Gegenteil. In den vergangenen vier Einsätzen schaffte er acht Scorerpunkte. Wie wichtig Coman für die Bayern ist, wurde im Champions-League-Finale klar, als er das Siegtor köpfte. Seine eigentliche Qualität aber ist eine andere.

2. Ist es respektlos, ein sicheres Tor hinauszuzögern?

Es war die Szene des Spiels beim 2:1 des VfB in Bremen: Stuttgarts Silas Wamantiguka stoppte vor dem leeren Tor ab, dann wartete er mit dem Schuss. Und wartete. Bis schließlich der längst überwundene Werder-Torwart Jiri Pavlenka zurückgetrottet kam. Dann erst schoss Wamangituka das Siegtor.

War das unfair?

Für Davie Selke war die Sache klar. »Das war respektlos«, sagte der Werder-Stürmer bei Sky: »Der Junge soll den Ball einfach reinschießen und hier nicht rumlaufen wie sonst irgendwie einer.«

Ein bisschen hatte die Aktion tatsächlich etwas vom Bolzplatz-Klassiker: statt lässig einschieben erst mal hinknien und den Ball auf allen Vieren per Kopf über die Linie stupsen. Das wäre demütigend gewesen für den Gegner. Aber: Zwischen einer Vorführung und dem, was Wamantiguka tat, gibt’s es einen Unterschied. Was also hatte der 21-Jährige vor?

Zeit schinden. Das zumindest sagte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo hinterher. »Ich habe bei dem Tor gedacht, dass er auf Zeit spielen will, das hat er mir auch nach dem Spiel bestätigt.«

Das wäre zwar auch nicht gerade der Inbegriff von Fairness. Aber von Respektlosigkeit zu sprechen ist auch übertrieben. Vermutlich wird Wamangituka eine solche Aktion dennoch nicht wiederholen, sondern ein Tor schießen, wenn es ihm der Gegner so einfach macht wie die Bremer.

3. Schalke hat viele Probleme – Standards sind das wohl größte

Der Tasmania-Rekord rückt immer näher. Seit 26 Ligaspielen ist Schalke ohne Sieg, bei Tasmania Berlin waren es einst 31 gewesen. Gegen Leverkusen verlor S04 0:3, das bedeutet: weiterhin Tabellenletzter; die wenigsten Tore erzielt (6), die meisten kassiert (31). Eine solche Bilanz legt nahe, dass vieles nicht klappt bei den Schalkern (und das noch untertrieben ist). An einem Problem sollte das Team ganz konkret ansetzen, die Standards nämlich.

Nach ruhenden Bällen – Elfmeter mitberechnet – hat Schalke fast die Hälfte seiner Gegentreffer kassiert: 15 sind es inzwischen laut whoscored.com. Fünfzehn! Zum Vergleich: In der vergangenen Fast-Abstiegssaison fing sich Werder Bremen 20 Standardtore; nach 34 Spielen wohlgemerkt.

Geht man in der laufenden Spielzeit die Bundesligisten durch, fällt auf, wie viel besser als Schalke es die Konkurrenz macht. Auf Platz zwei im Gegentorranking der ruhenden Bälle folgt Köln – mit acht kassierten Treffern. S04 allein hat mehr Standardtore gefangen als Wolfsburg, Frankfurt, Leipzig, Bayern, Leverkusen und Bremen zusammen.

Auch eigene Standards sind ein Problem, nur Mainz, Augsburg und Bielefeld kommen auf weniger erzielte Tore als Schalke (drei). Ausgerechnet Schalke, möchte man sagen. Der Klub, der 2018 auch dank Standards überraschend Vizemeister wurde.

Am Sonntag gegen Leverkusen wurde die Bilanz wieder schlechter. Das 0:1 und das 0:2 fing sich das Team jeweils nach einer Ecke, beide Male verteidigte Schalke in Mann- statt Raumdeckung, beide Male hatte der jeweilige Schalker in seinem Duell das Nachsehen. Und selbst vergaben die Knappen vor einen Strafstoß.

So verheerend die Bilanz ist: In ihr liegt auch ein wenig Hoffnung. Standardsituationen lassen sich aufgrund ihres statischen Charakters eigentlich gut trainieren. Und so könnten sie für Schalke ein simpler Hebel werden, sowohl um mehr Tore zu schießen als auch zu kassieren.

Nächster Gegner ist am Sonntag Augsburg. Bislang hat der FCA erst drei Tore nach ruhenden Bällen kassiert, das ist der geteilte viertbeste Ligawert. Auch deshalb hat der Klub mit dem Abstiegskampf bislang nichts zu tun.

Icon: Der Spiegel



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