Volvo Tundra: Der Volvo, aus dem ein Citroën wurde

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Klappscheinwerfer, asymmetrisch versetzter Kühlergrill, kantige Radhäuser, keilförmige Silhouette und ein scheinbar komplett umlaufendes Fensterband – auf ein derart futuristisches Familienauto war 1979 niemand vorbereitet. Schon gar nicht bei Volvo. Doch auf dem Autosalon in Genf zeigte die italienische Karosseriefirma Bertone damals genau das: Den Volvo Tundra, eine Studie, die noch heute beeindruckt.

Entworfen hatte das bronzebraun lackierte Modell, dessen Dach wie ein Deckel auf dem Auto lag und über den hinteren Seitenscheiben auffällig heruntergezogen war, Bertone-Designer Marcello Gandini. Angeblich hatte Volvo bei der italienischen Firma “something delicious”, also “etwas Appetitliches” bestellt. Gandini lieferte genau das. Ein radikal reduziertes Auto ohne jeden Chromschmuck, jedoch voller raffinierter Details wie der nahezu komplett geschlossenen Frontpartie, dem schnörkellos-anmutigen Heck sowie einem Digitalcockpit, das den Fahrer aus der altbekannten Rundinstrumente-Landschaft geradewegs in eine Art Raumschiff katapultierte. Für die Volvo-Verantwortlichen waren das wohl ein bisschen viel Delikatessen auf einmal – sie lehnten eine Serienfertigung ab.

Dabei war der Wagen auf Basis des Volvo 343, der seit 1976 auf dem Markt war, so gut wie fertig entwickelt. Vermutlich hätte er dem zu dieser Zeit eher klobig-biederen und überaus statischen Design der schwedischen Marke einen erfrischenden Akzent verpasst. Diese Chance war nun vertan – sie wurde aber dennoch genutzt: von Citroën. Der französische Hersteller wurde rasch einig mit Bertone und der Volvo Tundra verwandelte sich in den Citroën BX.

Vom Volvo zum Citroën in drei Jahren

1982 kam das Citroën-Modell auf den Markt. Nicht mit Klappscheinwerfern und auch nicht als Zwei-, sondern als Viertürer, doch die Grundform wurde nahezu beibehalten. Und damit war der BX ein unverwechselbares Auto. Mit einem geradlinigen Karosseriekörper und einem fließenden Aufbau, mit einem zwar nicht digitalen, aber dennoch originellen Cockpit. Es gab einen Walzentacho sowie sogenannte Bediensatelliten am Lenkrad (eine Art Lenkstockhebel mit mehreren Tasten, über die das Radio bedient werden konnte). Allerdings wurden diese Elemente bei der Modellpflege des BX 1986 durch konventionelle Lösungen ersetzt.

Dennoch festigte Citroën mit dem BX seinen Ruf als experimentierfreudiger Autohersteller. Das charakteristische Design wurde mit dem Oberklassemodell XM ab 1989 weiterentwickelt. Vor allem aber war der BX ein ökonomischer Erfolg: In zwölf Jahren Bauzeit wurden mehr als 2,3 Millionen Exemplare gefertigt.

Ideengeber für gleich zwei Marken

Auch bei Volvo hinterließ die Stilistik der Studie Tundra Spuren. Das 1986 auf den Markt gekommene Coupé trägt einige Elemente des Bertone-Konzepts, darunter Klappscheinwerfer, gläserne Heckklappe und Digitalcockpit. Bertone und Volvo setzten trotz des Tundra-Missverständnisses ihre Zusammenarbeit fort. Der Volvo 780, ein wuchtiges Coupé, wurde nicht nur von Bertone gestaltet, sondern ab 1985 auch in einer Auflage von mehr 8500 Exemplaren in Norditalien gebaut.

Der Tundra parkte zu dieser Zeit schon in der hauseigenen Sammlung am Firmensitz in Grugilasco. Diese wiederum wurde – nach der Insolvenz von Bertone 2014 – vom “Automotoclub Storico Italia” (ASI) für rund 3,5 Millionen Euro als Ganzes aufgekauft. Heute sind der Tundra und 78 weitere Bertone-Schöpfungen im Volandia-Museum in unmittelbarer Nachbarschaft des Mailänder Flughafens Malpensa zu sehen.

Icon: Der Spiegel



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