Corona und Weihnachten: Warum die Festtage so gefährlich werden

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Die Bundesregierung hat die Corona-Regeln zum Jahresrunde gelockert. Über die Feiertage dürfen sich in den meisten Bundesländern zehn Personen gleichzeitig treffen. Viele dürften sich jetzt fragen: Hilft es, seine Kontakte über mehrere Tage zu verteilen? Zumindest gäbe es bei Infektionen einen Zeitgewinn.

Julia Köppe, DER SPIEGEL:
»Das haben schon mehrere Studien gezeigt, dass jemand andere eben schon anstecken kann ein bis zwei Tage, bevor bei demjenigen Symptome auftreten. Das ist natürlich ein Problem, denn niemand kann wissen, ob man in ein bis zwei Tagen womöglich krank sein wird. Das heißt, je weniger Mesnchen ich pro Tag treffe, umso eher steigt die Chance, dass wenn ich dann doch infiziert sein sollte, Symptome bekomme und dann das Weihnachtsessen noch rechtzeitig absagen kann. Wenn ich mich jetzt aber am allerersten Tag, sagen wir an Heiligabend, schon mit all meinen Verwandten getroffen habe, ist das natürlich zu spät.«

Auch die Nachverfolgung der Kontakte ist dann aufwendiger, weil mehr Menschen betroffen wären als wenn folgende Treffen abgesagt werden und damit weniger Kontakte stattfinden – und die Gesundheitsämter arbeiten jetzt schon am Limit. Wie groß der Unterschied zwischen verschiedenen Szenarien genau ist, ist nicht klar zu berechnen. Dafür hängt das Infektionsrisiko von zu vielen Faktoren ab.

Julia Köppe, DER SPIEGEL:
»Wie groß ist der Raum? Wird häufig gelüftet? Wird vielleicht auch gesungen? Wie nahe kommen sich die Menschen? Werden Hygiene-Regeln eingehalten? Grundsätzlich ist es auch so, dass auch wenn es theoretisch möglich ist, in vielen Bundesländern sich an jedem Tag mit neuen anderen Personen zu treffen, muss man das natürlich nicht auch tun.« 

Denn das eigentliche Ziel muss sein, die Kontakte nicht zu verteilen, sondern zu reduzieren. Laut RKI liegt die Basis-Reproduktionszahl bei Covid-19 im Mittel zwischen 3,3 und 3,8. Das heißt: Ohne Kontaktbeschränkungen steckt ein Infizierter durchschnittlich etwa dreieinhalb Menschen an, die das Virus im gleichen Tempo weitergeben. 

Ein amerikanischer Forscher hat gerade noch einmal gezeigt, wie Kontaktbeschränkungen diese Verbreitung verlangsamen können. Er hat den R-Wert auf 2,5 gelegt, die Rechnung ist im Vergleich zu den RKI-Zahlen also konservativ, näher an den Zahlen, die man zu Beginn der Pandemie angenommen hat.

Der Effekt ist trotzdem enorm. Steckt ein Mensch durchschnittlich zweieinhalb weitere Menschen an, die das Virus genauso weitertragen, ergeben sich nach 30 Tagen 406 Fälle, die auf den ersten zurückgehen.

Reduzieren alle ihre Kontakte um die Hälfte, dann steckt ein Infizierter nur noch halb so viele Menschen an – und die genauso. Nach 30 Tagen hat die ursprüngliche Infektion nicht mehr für 406, sondern nur für 15 weitere Fälle gesorgt.

Und reduzieren alle ihre Kontakte auf ein Viertel, löst eine Infektion nach 30 Tagen im Durschnitt nur noch 2,5 weitere Fälle aus.

Das ist zwar sehr theoretisch – und tatsächlich schwankt der R-Wert in Deutschland seit Anfang November um 1, das heißt die Zahl der Neuinfektionen ist ungefähr konstant. Ob das so bleibt, liegt aber am Verhalten der Menschen.

Julia Köppe, DER SPIEGEL:
»Wenn sich jetzt aber über Weihnachten wieder mehr Menschen treffen, kann das natürlich dazu führen, dass der R-Wert wieder steigt, weil jeder Infizierte potenziell natürlich mehr Menschen anstecken kann. Und deshalb hängt es eben auch ganz stark davon ab, wie sich die Menschen jetzt in Deutschland über die Feiertage verhalten, wie sich das Virus weiter ausbreiten wird. Und wir haben ja in den vergangenen Wochen ganz deutlich gespürt, was passiert, wenn sich zunehmend ältere Menschen anstecken. Und einige Krankenhäuser sind ja durchaus auch schon an die Belastungsgrenze gekommen.« 

Und wer sich entscheidet, Kontakte zu Weihnachten nicht ganz abzusagen, der sollte Schutzmaßnahmen treffen.

Julia Köppe, DER SPIEGEL:
»Wer das Infektionsrisiko über die Feiertage senken will, der soll schon vor dem Fest wenig persönlichen Kontakt zu anderen haben wie möglich und sich vielleicht sogar einige Tage komplett isolieren. So eine Kurz-Quarantäne von vielleicht 5 Tagen ist zwar kein Garant, dass es zu keiner Infektion kommt. Deswegen ist es auch entscheidend, dass man sich an die AHAL-Regeln hält. Also Abstand, Hand-Hygiene, Maske, Lüften. Und ich weiß, das klingt eigentlich total banal und das hat man auch gefühlt schon 1000-mal gehört. Aber die Maßnahmen sind einfach effektiv. Und auch wenn es wirklich schwerfällt, sollte man zuhause bleiben, wenn man sich irgendwie krank fühlt. Und vielleicht muss man sich dann auch überlegen, ob man statt an Weihnachten bei ungemütlichem Wetter drinnen sitzt, vielleicht eine Feier im Sommer nachzuholen.«



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