Wuppertal: Pflegemutter aus Solingen zu fast sieben Jahren Haft verurteilt

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Das Landgericht Wuppertal hat eine Solinger Pflegemutter zu sechs Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Die Frau wurde der Körperverletzung mit Todesfolge und Misshandlung Schutzbefohlener schuldig gesprochen. Sie hatte gestanden, für den Tod ihres 21 Monate alten Pflegekindes Naelys verantwortlich zu sein.

Das Gericht erhob zugleich schwere Vorwürfe gegen die beteiligten Jugendämter: Die 51-Jährige sei als Pflegemutter völlig ungeeignet gewesen. Sie habe massive impulsive und empathielose Charakterzüge. Dennoch habe sie Pflegekinder zugewiesen bekommen. »Das konnte nicht gut gehen«, sagte der Vorsitzende Richter Jochen Kötter.

»Sie hätte nie ein Kind bekommen dürfen«, sagte sogar der Verteidiger der Plegemutter, Michael Kaps, in seinem Plädoyer. Die beteiligten Institutionen und Jugendämter hätten sich gegenseitig nicht informiert und Informationen über die Pflegemutter voreinander zurückgehalten. Der Staatsanwalt sprach von einem »beispiellos brutalen Angriff auf den Körper des wehrlosen Kindes«.

»Es kam nicht unerwartet«

»Es fällt einem schwer, die richtigen Worte zu finden«, sagte Richter Kötter. »Es ist weder Tragödie noch Katastrophe, es kam nicht unerwartet. Das Gesetz nennt es Verbrechen. Und das trifft es wohl am besten.« Es sei eine ungeheuer schwer wiegende Tat, die die 51-Jährige begangen habe.

Bereits 2015 habe sie einen kleinen Jungen zugewiesen bekommen. Diesen »Härtetest« habe die Frau nicht bestanden, sagte der Richter. Es sei eines der schlimmsten Pflegeverhältnisse gewesen, das sie je betreut hat, habe eine Jugendamtsmitarbeiterin ausgesagt. Sie habe Angst um den Jungen bekommen und das Kind wieder abgeholt.

Dennoch bekam die Frau weiter Kinder zugewiesen, obwohl sie »für eine Verschlechterung des Zustands der Kinder verantwortlich ist«. Nach einem halben Jahr bei der Pflegemutter war Naelys nicht wiederzuerkennen, wie der Richter sagte. Ein Sanitäter habe gesagt: »Sie sah aus wie ein Kind aus einem Krisengebiet.«

Kritik an den Jugendämtern

Mehrere Zeugen seien entsetzt darüber gewesen, wie die Frau das Kind behandelt habe und hätten sogar eine Kindeswohlgefährdung angezeigt. Doch vom Jugendamt habe es geheißen, man solle die Pflegemutter nicht weiter verunsichern, sondern unterstützen. Immer wieder hätten die Ämter nur beschwichtigt: »Keiner sieht die explosive Persönlichkeit der Angeklagten. Keiner überprüft, ob sie geeignet ist«, sagt der Richter. »Genau das hätte man tun müssen: Eingreifen.«

Am Tattag misshandelte die Tagesmutter das Mädchen laut Gericht, weil es keine Linsensuppe essen wollte. Sie habe so sehr auf das Kind eingeschlagen, dass es vom Hochstuhl fiel und blutete.

Die Frau müsse mit ungeheurer Wucht auf das Kind eingeschlagen haben, anders seien die schweren inneren Verletzungen nicht zu erklären. Erst als sie gemerkt habe, dass es kritisch werde, habe die Pflegemutter den Notruf gewählt.

Die Frau war von einer Sachverständigen als rücksichtslose Narzisstin beschrieben worden. »Das Kind wird umgezogen, Blut wird weggewischt – das noch tun zu können, das zeigt genau den beschriebenen Charakter«, so der Richter. »Unter dem Strich ist das ein schreckliches Verbrechen.« Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Icon: Der Spiegel



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