Stuttgart: Frank Nopper im Interview

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Frank Nopper wird neuer Oberbürgermeister von Stuttgart. Der CDU-Mann hat die Wahl mit 42,3 Prozent gewonnen. Er profitierte auch davon, dass sich das ökosoziale Lager nach dem ersten Wahlgang nicht auf einen Kandidaten einigen konnte: Die grüne Veronika Kienzle zog zwar zurück, doch mit Marian Schreier und dem Stadtrat Hannes Rockenbauch blieben zwei aussichtsreiche Anwärter im Rennen. Schreier holte nun immerhin 36,9 Prozent, Rockenbauch landete mit 17,8 Prozent auf Platz drei. Kurz nach Verkündung des Ergebnisses meldet sich Frank Nopper am Telefon. 

SPIEGEL: Herr Nopper, Glückwunsch zum Wahlsieg. Die Ausgangslage war vielversprechend, aber wie siegessicher waren Sie am Morgen des Wahlsonntags? 

Frank Nopper: Ich war zuversichtlich, das hab ich immer gesagt, aber nicht übermütig. Zuversichtlich deswegen, weil ich bei vielen Gespräche, die ich während des Wahlkampfs geführt habe, Ermunterung und Zuspruch gespürt habe. 

SPIEGEL: Morgen geht es für Sie erst einmal zurück nach Backnang, wo Sie derzeit noch Oberbürgermeister sind – eine Stadt mit knapp 40.000 Einwohnern. Was macht Sie sicher, dass Sie auch in einer Großstadt wie Stuttgart bestehen können? 

Nopper: Ich glaube, dass manches anders, aber vieles doch ähnlich ist – trotz der unterschiedlichen Größenordnungen der Stadtverwaltungen. Stuttgart ist meine Geburts- und Heimatstadt, ich kenne die Kommunalpolitik und weiß, wie ein großes Rathaus funktioniert. Ich bin übrigens auch seit über 20 Jahren Mitglied des Regionalparlaments und kenne daher die verschiedensten Akteure in Stuttgart und der Region.

SPIEGEL: Ihr Sieg fällt klar aus, dennoch haben fast 55 Prozent für das sogenannte ökosoziale Lager gestimmt. Wie wollen Sie diese Leute mitnehmen? Immerhin gelten sie als Anhänger von Friedrich Merz.  

Nopper: Es ist offen gestanden unerheblich, wessen Anhänger ich bin. Zuallererst bin ich Kommunalpolitiker und damit ein Sachpolitiker. Mir ist es in Backnang gelungen, zu verbinden, zu versöhnen, Brücken zu bauen und fraktions- und parteiübergreifende Kommunalpolitik zu machen. Und ich bin ganz optimistisch, dass mir das in Stuttgart genauso gelingt.

SPIEGEL: Haben sich die Grünen im Vorfeld mit ihrer missglückten Kandidatensuche ein Stück weit selbst besiegt?  

Nopper: Das sollen die Grünen beurteilen.

SPIEGEL: Sie gelten als Gegner der autofreien Innenstadt. Wie wollen Sie die übermäßige Verkehrsbelastung in Stuttgart in den Griff bekommen?

Nopper: Ich bin ein Gegner der radikalen autofreien Innenstadt. Ich bin Realist genug, um zu wissen, dass das Auto in den deutschen Innenstädten an Bedeutung verliert. Aber es wird eine Bedeutung behalten, wenn wir eine vitale Innenstadt wollen. Denken Sie an Mobilitätseingeschränkte, an Ältere, an Kranke, denken Sie an die Dienstleistungs-, Liefer- und Handwerksverkehre. All die brauchen das Automobil. Und ich bin auch ein Anhänger von Wahlfreiheit. Deswegen bin ich der Meinung, dass wir eine Lösung mit Maß und Mitte finden müssen – und keine radikal einseitige.

SPIEGEL: Stuttgart wird außerhalb der Stadtgrenzen mit Stau, Feinstaub und der Großbaustelle Stuttgart 21 verbunden. Wie wollen Sie das maue Image der Landeshauptstadt aufpolieren?  

Nopper: Wir müssen eine Image-Kampagne fahren, damit Stuttgart auch in der Außenwirkung wieder mehr leuchtet, in der Region, in Deutschland und in Europa. 

SPIEGEL: Sie haben angekündigt, die Eröffnung von Stuttgart 21 in fünf Jahren als Fest der Versöhnung zu feiern. Wie soll das gelingen, bei einem derart polarisierenden Thema?  

Nopper: Es wird eine atmosphärische Herausforderung sein, diejenigen von Stuttgart 21 zu überzeugen, die dem Projekt nach wie vor kritisch gegenüber stehen. Für die Mehrheit der Bevölkerung ist das Projekt allerdings, glaube ich, seit der Volksabstimmung gelaufen. Für die Mehrheit ist klar, dass der Zug in Richtung Stuttgart 21 fährt, und dass man jetzt die städtebaulichen und verkehrstechnischen Chancen nutzen sollte. Mein Vater, der selbst CDU-Stadtrat war, war übrigens ein großer Skeptiker und Kritiker von Stuttgart 21. Wir haben familienintern immer sehr heftig diskutiert über dieses Thema. Aber wir haben uns darüber nie entzweit. Ich bin zuversichtlich, dass es mir gelingt, die konfrontative Atmosphäre, die zum Teil noch zwischen Befürwortern und Gegnern herrscht, zu entspannen und die Chancen, die mit Stuttgart 21 einhergehen, sichtbarer machen zu können. 

SPIEGEL: Stuttgart ist eine der teuersten Städte Deutschlands. Wie wollen Sie Ihr Ziel umsetzen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen? 

Nopper: Indem wir auf den verschiedensten Wegen und in den verschiedensten Bereichen neuen Wohnraum schaffen. Meine Zielmarke sind durchschnittlich 2000 zusätzliche Wohnungen im Jahr.  

SPIEGEL: In Stuttgart-Mitte kam es im Sommer zu Krawallen. Wie kann so etwas künftig vermieden werden?

Nopper: Das kann unter anderem dadurch vermieden werden, dass wir Entschlossenheit bei der Repression zeigen und Nachhaltigkeit bei der Prävention. Wir brauchen beides. Wir brauchen mehr Streetworker, mehr aufsuchende Jugendarbeit – aber auch eine Intensivierung der Arbeit in den Jugendhäusern. Wir benötigen andererseits mehr Polizeipräsenz und auch mehr Präsenz des kommunalen Vollzugs- und Ordnungsdienstes. Auf diesen zwei Wegen muss es gelingen, dass derartiges nicht mehr passiert.  

SPIEGEL: Glauben Sie, dass Ihr Sieg auch der gebeutelten Landes-CDU Rückenwind für die anstehende Landtagswahl geben kann?  

Nopper: Das kann ich Ihnen nicht abschließend sagen. Dieser Sieg kann schon ein bisschen helfen, aber Oberbürgermeisterwahlen sind vor allem Persönlichkeitswahlen – auch diejenige in der Landeshauptstadt.

Icon: Der Spiegel



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